Selbstorganisiertes Lernen

Nicht nur Arbeit und Technik haben in den vergangenen Jahren einen Wandel erfahren, auch die Sichtweise, wie man lernt, hat sich gravierend verändert: Stand früher die Wissensvermittlung durch Lehrende im Zentrum, so wird heute immer mehr selbstorganisiertes Lernen durch die Lernenden favorisiert. Die Fähigkeit und Bereitschaft zum selbstorganisierten Lernen ist daher zu entwickeln.

Anforderungen an Lernende

Im selbstorganisierten Lernen gilt es, Schüler/Auszubildende in Hinblick auf folgende Handlungen einzubeziehen und zu beteiligen. Selbst organisiertes Lernen lässt sich vor allem durch das Maß an Selbstbestimmung beschreiben, in dem die Lernenden einzeln oder in Gruppen selbst entscheiden, was sie lernen und wie sie dieses Lernen organisieren.

Für die Gestaltung selbstorganisierten Lernens gelten als Orientierungen:

  • Als Ausgangspunkte von Lernprozessen dienen Problemstellungen, die für den Lernenden interessant sind und ihn motivieren, sie lösen zu wollen. Die Aneignung des Wissens soll durch das „Lösen-Wollen“ des Problems motiviert sein und steht damit sogleich in einem Anwendungskontext.
  • Die Lernumgebung soll dem Lernenden ermöglichen, mit authentischen Problemen und Situationen umzugehen. Aufgrund ihres Realitätsgehaltes und ihrer Relevanz soll sie den Lernenden dazu motivieren, neues Wissen oder neue Fertigkeiten zu erwerben.
  • Es ist zu verhindern, dass neu erworbene Kenntnisse und Fertigkeiten auf einen bestimmten Kontext allein beschränkt bleiben. Beim Lernen sollten Inhalte oder Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln gesehen und unter verschiedenen Aspekten beleuchtet werden, um eine flexible Anwendung des Wissens zu fördern.
  • Problemlösungsprozesse sollen artikuliert und reflektiert werden, um die Abstrahierung von Wissen zu fördern.
  • Kooperatives Lernen und Problemlösen in Lerngruppen sollte Bestandteil möglichst vieler Lernphasen sein, ebenso wie gemeinsames Lernen und Arbeiten von Lernenden mit Experten im Rahmen situierter Problemstellungen.

Ob solche Angebote tatsächlich das anspruchsvolle selbstorganisierte Lernen effektiv auslösen, hängt zum einen in hohem Maße vom Wollen und Können der Lernenden ab. Zum anderen bedarf es der gezielten Förderung von Wissen und Können, um die Angebote nutzbar zu machen.

Den Lernenden sind bewusst Spielräume und Entscheidungsmöglichkeiten einzuräumen.


Der Berufspädagoge als Berater und Organisator

Hauptbetroffene beim selbstorganisierten Lernen sind neben den Schülern/Auszubildenden die Lehrkräfte, deren Rolle und Funktion sich geradezu dramatisch wandelt und vom Wissensvermittler zum Berater und Organisator von Lern- und Handlungsprozessen wird.

Der Lehrende muss u. a. den Lernprozess begleitende Wahrnehmungsleistungen erbringen – Zuhören, Beobachten, Verstehen –, auf die Belange der Jugendlichen eingehen, die Ideen und Ergebnisse der Lernleistungen einschätzen, diese an seinen ursprünglichen Planungsüberlegungen messen und seine situationsbezogenen Überlegungen auf die Handlungsebene übertragen. Das geschieht häufig alles unter Zeit- und Handlungsdruck. Wie kann man es dennoch schaffen? In unserem Zusammenhang „Selbstorganisiertes Lernen“ (SOL) soll auf eine ausgearbeitete und erprobte Methode mit gleichlautendem Titel verwiesen werden. Wer sich intensiv damit befassen möchte ist auf www.sd-institut.de sowie auf www.shk-lehrer.de verwiesen.

drucken